Wissen

Wir informieren



Raus aus dem Krisenmodus!

PERSÖNLICHE ENTWICKLUNG, KARRIERE, FINANZEN | 09.03.2022

Raus aus dem Krisenmodus!

Von Sebastian Mauritz

Wenn Menschen eine Krise erleben, dann führt dies dazu, dass Aspekte wie Sicherheit, Orientierungsmöglichkeiten und Handlungsoptionen nicht mehr verfügbar scheinen. Auf die eigenen Kompetenzen kann kein Zugriff mehr erfolgen. Sie sind im Krisenmodus: Die bisherigen vertrauten Prozesse im Bereich »vorausschauendes Planen, Denken, Fühlen und Handeln« werden als gestört, unterbrochen oder sogar vernichtet erlebt. Einher geht das Erleben von Unsicherheit und Zeitdruck, was das Gefühl, schnell und vor allem richtig entscheiden und handeln zu müssen, noch weiter verstärkt. Es entsteht eine Zwickmühle, weil auf der einen Seite ein Erleben von der Notwendigkeit, zu handeln und zu entscheiden, vorherrscht, auf der anderen Seite aber die bereits versuchten alten Verhaltensmuster nicht mehr funktionieren.

Die Lösungsstrategien, die bisher Sinn ergeben haben, zu Kontroll-, Kraft- und Sicherheitserleben geführt und Selbstwirksamkeit verliehen haben, weichen einer Wahrnehmung eigener Inkompetenz, Schwäche, Hilflosigkeit und somit einem steigenden Ohnmachtserleben inklusive Problemtrance. Die typischen Lösungsversuche reichen von Kampf, Flucht, Verleugnung, Vermeidung bis hin zu Starre und Totstell-Reflexen.

Die Wahrnehmung ist stark verengt, die Emotionen, wie z. B. Angst oder Ärger, überfluten den Menschen. Die weiteren Folgen sind Ohnmacht, Aggression, Zweifel am eigenen Wert mit Selbstwertverlust und Abwertung von sich selbst. Die Reaktionen werden dabei immer unwillkürlicher, was die bewusst-willentliche Steuerung sowie die eigene Kreativität immer weiter behindert.

Voll im Krisenmodus?

Wenn Sie gerade voll im Krisenmodus sind, dann lade ich Sie zu einer kleinen Aktivierung Ihrer Ressourcen ein: Was wunderbar gegen jede Form von Kompetenz-Amnesie hilft, ist die Erinnerung an den eigenen Weg durch die bisherigen Krisen. Sie können das auch Ihre persönliche Heldenreise nennen; es ist eine gute Erinnerungshilfe an Ihre Stärken und Überlebenskompetenzen. Nehmen Sie sich ruhig ein wenig Zeit und erinnern Sie sich mal an die Kraft, den Mut und den Willen, den Sie im Laufe Ihrer eigenen Lebensgeschichte schon gezeigt haben.

Ihre persönliche Heldenreise

Wo, wann und wie haben Sie in Ihrer Vergangenheit schon Probleme gelöst, sind trotz Stress in Ihrer Kraft geblieben und haben kleine und vielleicht auch schon große Krisen erfolgreich gemeistert? Wenn Sie Ihr eigenes Leben als Heldenreise erzählen würden, was wären dann die wesentlichen Punkte? Wie würden die Kapitel heißen und aus welchen Problemen und Krisen sind Sie besonders gestärkt hervorgegangen? Sie sind der überlebende Beweis, dass das Leben mit allen Risiken, Gefahren und allen Möglichkeiten es bisher nicht geschafft hat, stärker als Sie zu sein. Vielleicht finden Sie Antworten auf die folgenden Fragen:

  • Was hat mir die Kraft gegeben, bisher jeden Morgen wieder aufzustehen?
  • Was sind meine wichtigen Werte, die ich beim Rückblick auf mein Leben immer wieder gelebt habe?
  • Was gibt meinem Leben einen Sinn bzw. welchen Sinn gebe ich meinem Leben?
  • Was und wen brauche ich auf dem Weg durch meine Krisen?
  • Worauf habe ich mich konzentriert, damit mein Leben bisher gelingen konnte?

Die Phasen einer Krise

Krisen sind ein zeitliches Phänomen. Das heißt, sie kommen und sie gehen. Keine Krise bleibt für immer. Mir persönlich hilft die Idee in Krisen, dass auch diese hier vorbeigehen wird. Der Verlauf von Krisen folgt einem bestimmten Ablauf, der an den Veränderungsprozess der Familientherapeutin Virginia Satir angelehnt ist.

Phase I – das »normale Leben«

Im »normalen Leben«, dem Leben ohne Krisenerleben, läuft alles mehr oder weniger gut; hier verbringen wir unseren Alltag. Wir schlafen normal, ernähren uns normal, bewegen uns in normalem Maß, was das auch immer für uns heißt und unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden fördert.

Phase II – der Stresspegel steigt

Dann kommt irgendwann der Punkt, an dem wir merken, dass wir mehr Stress haben als gewöhnlich. Unsere bisherigen Muster im Denken, Fühlen und Handeln funktionieren nicht mehr und unser System reagiert mit Stress. Wir schlafen schlechter, verändern unsere Gewohnheiten und irgendwie ist es gerade anders als sonst im »normalen Leben«. Dieser Prozess beginnt in der Regel schleichend.

Phase III – die Krise

Mehr oder weniger plötzlich kommt dann die Krise. Das bedeutet, dass der Umgang mit einem oder mehreren Problemen zu so viel Stress geführt hat, dass wir stolpern und fallen. Es kommt zu kleinen oder großen Krisen, sie werden als Zusammenbruch erlebt und zeigen sehr deutlich die Grenzen der eigenen Muster. Alle bisherigen Lösungen funktionieren nicht mehr. Den Übergang zur nächsten Phase bildet das sogenannte »Wieder-Aufstehen«. Dieses kommt entweder aus dem jeweiligen Menschen selbst oder wird durch einen Impuls von außen initiiert.

Phase IV – die Regeneration

Nach einer Krise braucht ein Mensch Regenerationszeit und Erholung. Das metaphorische Wieder-Aufstehen und Die-eigene-Krone-Richten brauchen mehr oder weniger Zeit. Hilfe in Form von sozialer Unterstützung ist jetzt nützlich. Hier dreht man auch die eine oder andere Ehrenrunde mit altem Verhalten. Das bedeutet, dass die Nachwirkungen der Krise sich ab und an noch mal zeigen. Gleichzeitig findet durch die Verarbeitung des Erlebten persönliches Wachstum statt.

Phase V – Immuner gegen Probleme, Stress und Krisen

Wenn die Krise gut verarbeitet ist, dann erlebt man das, was als »Phönix-Kompetenz«, »Resilienz« oder als »Wachstum aus Krisen« bezeichnet werden kann. Unser mentales Immunsystem lernt, dass und wie es mit Krisen umgehen kann. Wir werden stärker, was sich bis in die Genaktivität nachweisen lässt.

Wie man Krisen lebt, erlebt und überlebt

Eine wesentliche Rolle beim persönlichen Wachstum spielt das Lernen von sich selbst. Hier ein paar Fragen, die bei der Reflexion vergangener Krisen helfen können:

  • Wie haben Sie in Ihrem Leben die einzelnen Phasen erlebt?
  • Was waren die Anzeichen, dass der Übergang von einer in die andere Phase ansteht?
  • Wer oder was hat Sie in den vergangenen Krisen wieder aufstehen lassen?
  • Was haben Sie aus den Krisen Ihres Lebens bisher gelernt und welche Stärken haben Sie entwickelt?

Eine Krise ist weder angenehm noch etwas, das man so schnell wieder erleben möchte. Dennoch zeigt sich, dass Menschen, die drei bis vier Krisen gut überstanden haben, die beste Chance besitzen, gesund ins Alter zu gehen. Zu viele Krisen scheinen nicht gesundheitsförderlich zu sein, zu wenige oder auch keine ebenso wenig.

Gelesen 133 mal

Newsletter